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Biotop- und Artenschutzprojekt
zum Schutz und zur Revitalisierung
von Niedermooren saurer Standorte in Hessen

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Termine 2016        Faltblatt

Wollgras
Wollgras-Sumpf (Foto: Klaus Hemm 18. 6. 2015)

Saure Kleinseggensümpfe oder -riede, auch saure Niedermoore genannt, sind niedrige, vor allem von kleinwüchsigen Seggen, Torfmoosen und Wollgräsern geprägte Rasen. Sie wachsen meist in Quellmulden, an durchsickerten Hängen sowie am Rand von Verlandungszonen und Hochmooren. Dort siedeln sie auf quell-, sicker- oder staunassen, nährstoffarmen, sauren Böden, die auch im Sommer nur oberflächlich abtrocknen.

Verbreitung in Hessen
Verbreitungsschwerpunkte der sauren Kleinseggensümpfe sind die Mittelgebirgslagen von Rhön, Vogelsberg, Burgwald, Rothaargebirge, Westerwald, Taunus, Meißner und Odenwald. In der einst an sauren Niedermooren reichen Untermainebene sind diese bis auf Reste verschwunden.

Lebensraum zahlreicher seltener Arten
Saure Kleinseggensümpfe sind Lebensraum für zahlreiche seltene und bestandsbedrohte Pflanzenarten wie Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpf-Blutauge (Comarum palustre), Grau-Segge (Carex canescens), Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris), Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre), Faden-Binse (Juncus filiformis), Sumpf-Veilchen (Viola palustris) und verschiedene Torfmoosarten (Sphagnum spp.).

Es gibt bei uns nur wenige andere Pflanzengesellschaften, deren Arteninventar eine vergleichbare Dichte gefährdeter Arten aufweist (siehe Tabelle).

Gruppe
Art
RLH
Art
RLH
Samenpflanzen
Carex canescens
3
Juncus filiformis
3
 
Carex echinata
V
Menyanthes trifoliata
3
 
Carex panicea
V
Parnassia palustris
2
 
Carex pulicaris
2
Pinguicula vulgaris
1
 
Carex rostrata
V
Stellaria palustris
3
 
Comarum palustre
2
Trifolium spadiceum
2
 
Eleocharis quinqueflora
2
Triglochin palustris
2
 
Epilobium palustre
V
Veronica scutellata
V
 
Eriophorum angustifolium
3
Viola palustris
V
 
Hydrocotyle vulgaris
V
Wahlenbergia hederacea
2
Moose
Art
RLD
Art
RLD
 
Aulacomnium palustre
3
Paludella squarrosa
1
 
Bryum pseudotriquetrum
3
Plagiomnium ellipticum
3
 
Calliergon giganteum
1
Pseudobryum cinclidioides
1
 
Calliergon stramineum
3
Rhizomnium pseudopunctatum
1
 
Dicranum bonjeanii
3
Sphagnum angustifolium
3
 
Fissidens adianthoides
3
Sphagnum contortum
1
 
Helodium blandowii
1
Sphagnum teres
2
 
Hypnum pratense
2
Warnstorfia exannulata
2

Stark gefährdete Kleinode der Natur
Durch großflächige Meliorationsmaßnahmen im Nassgrünland (Entwässerung, intensive Düngung) wurde die Anzahl der sauren Niedermoore vor allem im letzten Jahrhundert drastisch reduziert. Heute sind sie selten geworden und gehören zu den landesweit besonders stark gefährdeten Biotoptypen.

Gefährdungsursachen
Haupt-Gefährdungsursachen sind heute vor allem Brachfallen und Verbuschung nach Aufgabe der regelmäßigen Grünlandnutzung, aber auch weiterhin Entwässerung, intensive Beweidung, starke Düngung, Verfüllung von Senken, Anlage von Fischteichen und Aufforstung sowie Nähr- und Schadstoffeinträge oder starke Beschattung.

Schutz
Saure Kleinseggensümpfe sind gesetzlich geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG. Die landesweit größten und artenreichsten Bestände liegen fast durchweg in Naturschutzgebieten. Insgesamt finden sich aber nur rund 30% der in der Hessischen Biotopkartierung erfassten Flächen innerhalb von Schutzgebieten.

Schutzbedürftigkeit
Aufgrund der anhaltend starken Gefährdung der Niedermoore besteht für Maßnahmen zum Schutz und zur Revitalisierung der verbliebenen Restflächen eine hohe Dringlichkeit. Dies umso mehr als nur ein kleiner Teil der Bestände vom Gebietsmanagement in Schutzgebieten profitiert.

Niedermoorprojekt der BVNH
Das Biotop- und Artenschutzprojekt der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen (BVNH), das von der Stiftung Hessischer Naturschutz (SHN) gefördert wird, kümmert sich um den Schutz dieser sauren Niedermoore.

Fachliche Prüfung von Erhaltungszustand und Arteninventar
Weit über 100 saure Keinseggenriede aus allen Naturräumen Hessens, die in der Hessischen Biotopkartierung zwischen 1992 und 2006 erfasst wurden, werden darauf geprüft, ob sie noch vorhanden sind und in welchem Zustand sie sich befinden. Das botanische Arteninventar wird möglichst vollständig erfasst, wobei die Fundstellen stark gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Arten im Rahmen einer Detailkartierung punktgenau festgehalten werden.

Blutauge
Sumpf-Blutauge (Foto: Klaus Hemm 12. 6. 2015)

Maßnahmenplanung und -umsetzung
Für die deutlich beeinträchtigten oder stark gefährdeten Bestände werden Maßnahmen zur Erhaltung oder zur Revitalisierung konzipiert, beschrieben und kartographisch dargestellt. In enger Kooperation mit Behörden und Verbänden sollen anschließend gezielte Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt werden. Die BVNH wird dabei die Initiierung sowie die fachliche Beratung und Begleitung bei der Maßnahmenumsetzung übernehmen.

Wie die Praxis gezeigt hat, sind Maßnahmen zur Pflege und Revitalisierung von Niedermooren erfolgversprechend. Dies gilt besonders für die Wiederaufnahme einer regelmäßigen extensiven Grünlandnutzung von brachliegenden Beständen (oft ist extensive Beweidung günstig) und für die Freistellung stark beschatteter Bestände durch Gehölzentnahme. Nach einer vollzogenen Grundpflege ist eine an den Biotoptyp angepasste extensive Nutzung für den weiteren Erhalt der Flächen in der Regel voll ausreichend.

Die nachhaltige Sicherung der Flächen kann über vertragliche Vereinbarungen mit dem Nutzer über Mittel aus dem Hessischen Agrarumweltprogramm erfolgen. Aber auch die Betreuung durch örtliche Naturschutzgruppen oder Landschaftspflegeverbände ist erfolgversprechend.

Weitere Projektziele sind die Sensibilisierung zuständiger Stellen sowie der Bevölkerung für die Bedeutung und Schutzbedürftigkeit der verbliebenen Niedermoorflächen durch projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit und nicht zuletzt die Leistung eines wichtigen Beitrags zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Rahmen der Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen.

Mitarbeiter des Projektes: Rolf Angersbach, Uwe Barth, Torsten Cloos, Martin Engel, Uta Engel, Thomas Gregor, Arthur Händler, Klaus Hemm (auch Koordination), Volker Holzgreve, Andreas König, Sonja Maiweg, Karin Menzler, Stefan Nawrath, Suse Raehse, Bernd Sauerwein, Markus Sonnberger, Dietmar Teuber, Michael Uebeler, Christel Wedra, Markus Wieden, Kathrin Willkomm, Helmut Zeh.
Mitwirkung bei der Öffentlichkeitsarbeit: Indra Starke-Ottich, Sascha Starke
Internetpräsentation: Sylvain Hodvina

Untersuchungsgebiete 2016
Lage der Untersuchungsgebiete

Übersicht der Untersuchungsgebiete
 
Landkreis
Anzahl Flächen 2016
Kassel
4
Waldeck-Frankenberg
46
Werra-Meißner
4
Schwalm-Eder
8
Hersfeld-Rotenburg
2
Lahn-Dill
26
Marburg-Biedenkopf
5
Gießen
4
Vogelsberg
15
Fulda
4
Limburg-Weilburg

Rheingau-Taunus
8
Main-Taunus

Hochtaunus
2
Wetterau
1
Main-Kinzig
10
Groß-Gerau

Offenbach
7
Darmstadt-Dieburg

Bergstraße
2
Odenwald
7


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